FDP in Hemer

Ortsverband und Fraktion

Presse vom 24.10.2014:

FDP lehnt es ab, Hemer zur „Fairtrade Stadt“ zu machen: „Ist teuer und hilft den Menschen nicht“

Am kommenden Dienstag entscheidet der Hauptausschuss über den Antrag der GAH, Hemer zur „Fairtrade-Stadt“ zu machen. Die Verwaltung befürwortet dies in ihrem Beschlussvorschlag. Für die FDP-Fraktion lehnt Fraktionsvorsitzender Arne Hermann Stopsack dieses Ansinnen vehement ab und schreibt:

„Jedem Bürger, jeder Bürgerin ist es unbenommen, zu kaufen, was er für richtig hält und damit auch weitgehende Ziele zu verfolgen. Eine Stadt aber soll effektiv, d. h. ohne Bürokratie und kostengünstig arbeiten. Das wäre nicht der Fall, wenn der Fairtrade-Beschluss umgesetzt würde.

Interessanterweise werden (unbestrittene) Mehrkosten in der Vorlage weder beziffert noch erwähnt. Neben den höheren Einkaufspreisen und einer aufwendigeren Beschaffung kommt noch ein erheblich höherer administrativer Aufwand hinzu. Es gibt schon genug (überflüssige) Bürokratie, z. B. im Tariftreue- und Vergabegesetz, wo auch bestimmte soziale Standards verlangt werden. Nach dem GAH-Vorschlag muss eine lokale Steuerungsgruppe gebildet werden, ein aus Sicht der FDP-Fraktion überflüssiges Gremium.

Im Mittelpunkt der Kampagne steht Fair-Trade-Kaffee. Nun ist es aber so, dass bei Rats- und Ausschusssitzungen gar kein Kaffee gereicht wird! Aus Sicht der FDP-Fraktion lässt sich Kaffee, wenn er dann benötigt wird, in Hemer auch unproblematisch bei der Aktion 365 kaufen.

Unser Hauptkritikpunkt ist jedoch, dass die Grundidee, dass man durch Fairtrade-Produkte „Gutes tun“ kann und den Menschen in den Entwicklungsländern hilft, in der Praxis nicht funktioniert. Diese Erkenntnis beruht auf zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen der letzten Jahre zu diesem Thema: Beispielsweise untersuchten Wissenschaftler der in London ansässigen School of Oriental an African Studies (kein neoliberaler Thinktank, sondern eher zu einer sozialen Weltsicht tendierend) die Situation von Landarbeitern in Äthiopien und Uganda. Ergebnis: In Gebieten mit konventionellen Betrieben verdienen die Menschen, die ganz unten sind, deutlich besser als dort, wo Fairtrade-Organisationen vorherrschen.

Aus FDP-Sicht ist der Antrag der GAH reine Symbolpolitik. Das Ansinnen mag ja gut gemeint sein, gut gemacht ist es nicht. Deshalb lehnen wir den Antrag ab.“
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