Nachlese zum 33. Politischen Aschermittwoch in Hemer

Am 1. Januar 1975, also vor 50 Jahren, trat die kommunale Neuordnung in Kraft. Aus Anlass dieses Ereignisses erinnerte die FDP Hemer am Politischen Aschermittwoch an diese Zeit.
Die Veranstaltung im Alten Amtshaus, zu der mehr als 30 Personen gekommen waren, war eine historische Zeitreise. Dazu trugen zwei Zeitzeugen und Filme von Rolf Bour bei. Hans-Jürgen Großmann skizzierte die damaligen Bestrebungen der umliegenden Städte Lüdenscheid, Iserlohn, Hagen, Schwerte, Hohenlimburg und Letmathe mit ihren sehr unterschiedlichen handelnden Personen und deren Interessen. Hemers Perspektive und das Ergebnis wurden von Hans-Hermann Stopsack vorgetragen.
Zwischen den Vorträgen versetzten Ausschnitte aus Filmen von Rolf Bour in die Zeiten der 900-Jahr-Feier Hemers oder zeigten den Wandel der Zeit am Beispiel des Hemeraner Bahnhofs und der dortigen Bebauung.

Hans-Jürgen Großmann beschrieb die unterschiedlichen Interessen der Städte im Rahmen der Neugliederung: Lüdenscheid wollte sehr schnell Kreisstadt werden, das überschuldete Hagen sich das reiche Hohenlimburg einverleiben und Iserlohn zur kreisfreien Großstadt werden. Hemer wollte auf keinen Fall mit dem „Erzfeind Iserlohn“ zusammengelegt werden. Auch die Rolle der beteiligten Personen Willi Weyer, damaliger Innenminister NRW (FDP), Günther Einert, Oberbürgermeister der Stadt Iserlohn (SPD), Hans Meyer, Bürgermeister in Hemer (CDU) und Dieter Voss Amts- und Stadtdirektor in Hemer kamen in dem Vortrag nicht zu kurz.
Die SPD setzte sich schließlich bei der Verabschiedung des Sauerland-Paderborn-Gesetzes im Landtag mit ihrem Vorhaben, Hemer an Iserlohn anzuschließen, nicht durch. Die Zusammenlegung von Iserlohn und Letmathe gehörte zum Vermittlungsvorschlag. Hohenlimburg kam gegen seinen Willen zu Hagen. Sitz des neu gebildeten Märkischen Kreises wurde Lüdenscheid.

Hans-Hermann Stopsack berichtete über die dann vollzogene Vereinigung der Gemeinden zur Stadt Hemer und der Auflösung des Amtes Hemer: Die Stadt Hemer vor 1975 (außer Griesenbrauck) sowie die Gemeinden Becke, Deilinghofen, Frönsberg und Ihmert wurden zur modernen Stadt Hemer zusammengefasst. Die Gemeinde Kesbern wurde der Stadt Iserlohn zugeordnet. Evingsen schied schon zum 1. Januar 1969 aus dem Amt aus und wurde Altena zugeordnet, obwohl sich die Mehrheit der Bevölkerung dagegen ausgesprochen hatte.
Das ganze Verfahren zur Neuordnung hat die heimische Politik über Jahre beschäftigt. „Die wichtigsten Entscheidungen fielen jedoch in einem informellen Gremium, dem sogenannten Zehnerclub. In dieser nicht institutionalisierten Runde wurde gekungelt, um die verschiedenen lokalen Interessen auszugleichen. Politische Erwägungen und egoistische Interessen mehrerer Städte und der mit ihnen verbundenen Politiker fielen schwer ins Gewicht“, so Hans-Hermann Stopsack.

Ein Ausblick von Arne Hermann Stopsack zur Frage, ob es wieder eine Neuordnung geben wird oder geben sollte und zu den Herausforderungen der Kommunen aktuell und in den kommenden Jahren, bildete den Abschluss der Vorträge. Doch dann fiel in Hemer der Strom aus! Ein Teil des Wortbeitrages konnte deshalb nur bei Notbeleuchtung gehalten werden.
Leider fand die Veranstaltung so ein etwas früheres Ende als geplant und einige filmische Dokumente konnten nicht mehr gezeigt werden. Aber dennoch waren die zahlreichen Besucher und Besucherinnen sehr angetan und tauschten sich danach zu den Themen weiter aus.
